Konzeptionsschwerpunkte

Im Folgenden haben wir einige zentrale, grundlegende Ansichten, auf die sich unsere Pädagogik im Alltag mit den Farbtupfern stützt, zusammengefasst. Das vollständige Konzept kann auf Wunsch gerne eingesehen werden.

 

Warum Farbtupfer?

Kinder sind wie kleine Fabtupfer in unserem Leben. Sie machen unsere Welt ein Stück bunter und schöner, zeigen uns das besondere im Alltäglichen, das Große im Kleinen.
In unserer heutigen Gesellschaft sind Kinder im Alltag kaum noch wahrnehmbar. Großgruppen, wie es Kitas häufig sind, haben nicht die zeitliche und personelle Kapazität, mit Kindern die Welt wahrzunehmen- einfach längere Zeit eine Baustelle zu beobachten, der Müllabfuhr ein, zwei Straßen hinterherzulaufen, die Schiffe auf der Trave zu beobachten und den Fahrern zuzuwinken. Wie schon Andre Stern feststellte: die Fähigkeit des Kindes, unvoreingenommen, mit intuitiver Begeisterung und Faszination, sich an der Welt in der wir leben und den Menschen darin zu erfreuen- das sind Eigenschaften und alltägliche Wunder, die nicht nur das Kind prägen, sondern auch die gesamte Gesellschaft, in der wir leben.
So wird aus grauem, schlichtem Alltag zusammen mit Kindern wieder etwas ganz Buntes:)

 

Die Grundidee

Kinder sind ein Teil des alltäglichen Lebens

Ein maßgeblicher Teil unseres Konzeptes beruht darauf, dass Kinder diese Welt erleben sollten, fernab von künstlich geschaffenen Lernszenarien. Kinder lernen durch das, was sie erleben, was sie beobachten und aus eigenem, intrinsischen Antrieb heraus selbst tun dürfen.
So ist ein Grundpfeiler unserer Arbeit der, Kinder in den Alltag miteinzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, diesen aktiv und gleichberechtigt mitzugestalten.
Wir gehen gemeinsam auf den Markt und kaufen Gemüse und Obst für unsere Mahlzeiten. Dabei greifen wir Impulse der Kinder auf: die Kinder dürfen selbst das Gemüse und Obst auswählen, in den mitgebrachten Korb legen, sie dürfen es selbst bezahlen und auch nach Hause tragen, wenn sie das möchten. Wenn wir auf dem Rückweg an einer Baustelle vorbei kommen und die Kinder sind fasziniert, bleiben wir stehen und lassen die Kinder beobachten, so lange, bis sie das Interesse verlieren. Wenn nur einige ein Interesse an der Situation haben, gehen die anderen mit einem Erzieher schon mal vor. Wir beobachten die Frösche am Wegesrand, die Müllabfuhr, die jeden Morgen vorbeikommt, mahlen Mehl, um daraus Brötchen zu backen. Wir kommen mit Leuten ins Gespräch, die den Kindern etwas über das, was sie tun, erzählen können, zum Beispiel mit Gärtnern auf dem Biohof, mit Busfahrern, mit Bauarbeitern. Wir lassen die Kinder aktiv an unserer Welt teilhaben, durch sehen und beobachten, durch zuhören, aber auch durch selbst erforschen.
Sie können mitkochen, wenn sie wollen. Sie können beim Abwasch helfen und dabei, den Tisch ein- und wieder abzudecken. Sie können beim Aufräumen helfen und beim Tee kochen, beim Schnitzen von Holz für ein Tipi. Sie können selbst Holz herbeischaffen, um eine Feuerstelle zu errichten und die Zutaten für das Stockbrot abwiegen.
Bei so vielen Dingen wie möglich lassen wir die Kinder teilhaben. Weil sie nur so die Welt begreifen können. Und weil diese Teilhabe so viel mehr Lerngelegenheiten ermöglicht als jedes Rechen- und Schreiblernmaterial. Wir lassen den Kindern die Zeit, ihren eigenen intrinsischen Motivationen zu folgen und begleiten sie dabei. Jedes einzelne Kind und seine eigene, individuelle Entwicklung und sein Interesse ist von Belang und formt unseren Alltag!
Dies ist auch der Grund, warum für uns die kleine Größe der Tagespflege ideal ist- denn so können wir, anders als es in Kita-Gruppen der Fall ist, allen Kindern mehr gerecht werden und ihnen die Möglichkeit geben, sich ganz nach ihren eigenen Interessen zu entfalten.

 

Bindungs-und Bedürfnisorientiert

Ein Kind muss spüren, dass es so wie es ist richtig ist. Dass es um seiner Selbst willen und bedingungslos geliebt wird. Das ist die wichtigste Erfahrung, die jedes Kind braucht”, sagte Hüther der Huffington Post.

Jedes Kind in unserer Gruppe ist als Individuum ein wichtiger Teil der Gruppe. Die Bedürfnisse aller Gruppenmitglieder werden geachtet- das heißt in diesem Fall nicht nur Grundbedürfnisse, sondern auch das Bedürfnis nach Freiraum, nach Kreativität, nach Selbstbestimmung, nach Ausprobieren seines Selbst.

Uns ist es wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Kinder sich geborgen und sicher fühlen, in dem sie sie selbst sein können, ohne Angst vor Strafen zu haben. Wir sind achtsam und geduldig im Umgang mit ihnen und versuchen, die Aussage hinter ihrer Wut oder Trauer zu verstehen. In jedem Fall sind wir immer für sie da und strafen sie weder mit Missachtung und Ignoranz noch mit Emotionslosigkeit, Kälte oder Wut. Im Gegenteil ist es uns sehr wichtig, auf eine Ebene mit dem Kind zu gehen, sowohl in emotional schwierigen Situationen als auch in schönen Momenten.

Sie können sich darauf verlassen, dass sie auch dann akzeptiert und gemocht werden, wenn sie sich mal nicht „regelkonform“ verhalten. Kinder sind für uns keine kleinen Maschinen, die funktionieren müssen, sondern dürfen ebenfalls den Alltag und damit ihre Welt bei uns mitgestalten. Außerdem sollen sie wissen, dass ein geäußertes „Nein“ nicht grundlos gesagt wird- wir erklären Verbote und schwierige Situationen.

In der Praxis bedeutet dies auch, dass die Bindung ein sehr wichtiger Faktor unserer Betreuung ist. Die Kinder sollen uns nicht als Institution ansehen, bei der sie abgegeben werden, sondern als bekannte, gemochte Bezugspersonen, auf die sie sich freuen und mit denen sie gern ihre Zeit verbringen.

Kinder sollen sich bei uns gesehen und wahrgenommen fühlen, in ihrem ganzen Wesen, und wahrnehmen, dass wir sie wertschätzen und in ihren Gefühlsäußerungen und ihrem Sein ernst nehmen.

 

Entspannung

 

Durch Stephans Qualifikation als Entspannungspädagoge werden im Altag immer wieder Entspannungssituationen einfließen, sodass die Kinder ganz nebenbei spielerisch lernen, wie sie zur Ruhe kommen können und wie sich Anspannung und Entspannung anfühlen.

Wie das im Alltag aussehen kann?

Wir…

…machen kleine Atemübungen und lauschen darauf, wie sich unser Atem im Körper anfühlt

… lernen, mit Stress, Wut und Aggression durch bewusste An- und Entspannung leichter umzugehen

…Elemente aus Tai Chi, Qui Gong und Yoga

…machen uns zusammen auf dem Weg in kleine Traumreisen, die uns wundervolle Welten zeigen

… vielleicht meditieren wir sogar ein bisschen gemeinsam?:)

Für die Vorschulkinder wird es eine eigene Übungsreihe in Autogenem Training und PMR(progressive Muskelentspannung)geben. In dieser werden wir bisherige, im Kindergruppen-alltag gemeinsam gesammelte Erfahrungen vertiefen und erweitern, z.B. durch gemeinsame Spiele, Traumreisen, Entspannungsmusik, etc.

Mit diesen Techniken möchte ich den Kindern Rüstzeug mit auf dem Weg geben, um den Herausforderungen ihres weiteren (auch schulischen) Lebens entspannt und selbstbewusst entgegen zu treten. Sie lernen, eigen verantwortlich mit Unruhe und Überforderungssituationen umzugehen und werden selbstbewusster. Außerdem können sie am eigenen Körper erfahren, wie wohltuend Ruhe und Entspannung ist.

Und Spaß macht es obendrein auch noch:)

 

Achtsamkeit

Sich seiner Gefühle, Gedanken und Handlungen in jedem Augenblick voll bewusst sein. Achtsamkeit ist mehr als Aufmerksamkeit. Achtsamkeit ist die Energie, die uns in den gegenwärtigen Augenblick zurückführt. Im Sanskrit heißt das Wort für Achtsamkeit smriti, das bedeutet soviel wie erinnern. Achtsamkeit erinnert uns daran, in den gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren.        Thich Nhat Hanh: www.intersein.de/glossar.html

Achtsamkeit zeigt sich in unserem Alltag in vielen kleinen Handlungen. Wir sind achtsam in dem, was wir sagen und wählen unsere Worte mit Bedacht. Auch wenn wir wütend sind, kommunizieren wir achtsam und wertschätzend mit den Kindern.

Mahlzeiten werden achtsam eingenommen und wertgeschätzt.

Wir genießen zusammen mit den Kindern die kleinen Wunder des Alltags- sei es die frisch erblühte Blume im Garten, die ersten Sonnenstrahlen nach vielen nebligen Tagen oder der warme Sommerregen.

Wir hören zu, wenn die Kinder uns etwas erzählen wollen, und zwar mit ganzer Aufmerksamkeit, sooft das im Gruppenalltag möglich ist.

Achtsamkeit bedeutet aber auch, anzunehmen, dass wir nicht unfehlbar sind und natürlich ebenfalls nur Menschen, die auch mal Fehler machen, einen schlechten Tag haben und vielleicht nicht ganz so einfühlsam sein können, wie wir das möchten. Dann ist es uns aber wichtig, dies den Kindern zu erklären und zu spiegeln, sodass sie verstehen können, was in uns vorgeht und warum heute vielleicht einiges ein bisschen anders abläuft- so, wie es in Familien eben auch gute und weniger gute Tage gibt.

 

Natur und naturnahes Spielmaterial

Um die Kreativität der Kinder zu unterstützen und eine Sinnesüberflutung zu vermeiden, setzen wir auf wenige, ausgewählte Spielsachen sowie Spielzeug aus Naturmaterialien, wie z.B. Holzspielzeug, Kastanien, Tannenzapfen, selbstgeschnitzte Spielzeuge, gestrickte oder gefilzte Spielsachen etc.

Wir sind der Ansicht, dass gerade Holz Kinder ganzheitlich und mit allen Sinnen anspricht.

Außerdem ist es uns wichtig, dass die Kinder nicht mit Spielzeug überhäuft werden; der Alltag, die Umgebung, die Welt, in der wer uns befinden, bietet genug Lern- und Spielanreize, die die Kinder zu nutzen wissen.

Uns ist es wichtig, viel Zeit mit den Kindern in der Natur zu verbringen, sei es im Wald, am Fluss, am See oder auch auf Bauernhöfen. Die Natur bietet eine Vielzahl an Spielimpulsen, die die Kinder immer wieder gerne aufgreifen und die ihnen so viele, anregende Spielsituationen liefert, wie es kein Spielzimmer kann.

Auch die motorischen Fähigkeiten werden ganz natürlich gefördert, z.B. durch das Klettern über Baumstämme, das Balancieren über Steine, etc.

Kinder lernen, sich selbst und ihre Fähigkeiten genauer einzuschätzen, leben ihre Kreativität aus und werden auch Neuem gegenüber mutig und aufgeschlossen.

Außerdem kann es auch eine wunderbare Erfahrung sein, einfach nur der Stille der Natur zu lauschen, dem Rauschen des Windes in den Bäumen und dem leisen Vogelgesang.